Fit4Europe – Der Auslandsaufenthalt

Die Teilnehmenden reisen aus ihren unterschiedlichen Wohnorten zum gemeinsamen Abreiseort in Frankfurt an. Dort werden sie von den Projektmitarbeitenden verabschiedet und treten als Gruppe ihre Reise an.

Ankommen

orga5Am Aufnahmeort angekommen, werden sie von den Mitarbeitenden der Aufnahmeorganisation direkt am entsprechenden Ankunftsflughafen bzw. –bahnhof abgeholt und dann in ihre Unterkunft begleitet. Bei einem gemeinsamen Essen am Ankunftsabend findet ein erstes persönliches Kennenlernen statt. Das Abgeholt Werden hat eine zentrale Bedeutung für die Jugendlichen. Das Eintauchen in eine absolut neue Umgebung mit vielen unbekannten Aspekten führt leicht zu Überforderung, die im Extremfall die Handlungsfähigkeit einschränkt oder den/die Teilnehmende/n gar für eine Weile blockiert, was sich im schlimmsten Fall auf den ganzen Aufenthaltszeitraum auswirken kann. Teilnehmende berichten von einem Gefühl eines Anfangsschocks, bspw. aufgrund der ungewohnten Wohnsituation und dem Straßenbild. Daher wird auf eine transparente Übermittlung der dortigen Situation an potenzielle Teilnehmende Wert gelegt. Gemeinsam mit Vorgängergruppen können Empfehlungen an neue Gruppen formuliert werden.

Bereits vermeintliche Kleinigkeiten, wie das Fehlen von bekannten Supermarktwaren oder der Preisaufstieg bei Tabakwaren, können Teilnehmende aus ihrem Konzept bringen. Das Hören einer unbekannten Sprache rund um die Uhr macht Ihnen den Umgang mit Neuem nicht unbedingt leichter. Je besser die Teilnehmenden auf diesen „Kulturschock“ mittels authentischer Vorbereitung eingestellt sind, desto leichter gelingt eine schnelle Eingewöhnung. Es lässt sich sagen, dass die Qualität, sowohl der Vor- als auch der Nachbereitungsseminare maßgeblich für die Effekte des Auslandsaufenthalts ist.

Betreuungsangebot

orga7Für diese Zielgruppe ist es besonders wichtig, dass die Aufnahmeorganisation grundsätzlich über ein breit aufgestelltes Unterstützungsangebot zur Alltagsbewältigung verfügt, das bei Bedarf genutzt werden kann. So gibt es in Frankreich ein Angebot an deutschsprachigen Ärzten für jede Fachrichtung. Aufgrund der kleinen Gruppengröße können nicht nur Praktikumsbetriebe, sondern auch die Unterstützungsangebote individuell und flexibel angepasst werden.

Am ersten Tag werden bei der Aufnahmeorganisation die Rahmenbedingungen, Regeln und gegenseitigen Erwartungen geklärt. Es gibt zwar eine deutschsprechende, pädagogische Ansprechperson, diese betreut die Gruppe jedoch nicht aktiv rund um die Uhr, sondern ist als 24h Back-up gedacht. Die Struktur im Ausland ist bis auf wenige feste Termine mit der Aufnahmeorganisation sehr offen gehalten, um der individuellen Entwicklung Freiräume zu bieten. Diese Freiheit regt die Teilnehmenden dazu an den Alltag selbst zu gestalten und fördert deren Selbstwirksamkeitskräfte.

Dennoch ist das Team der Aufnahmeorganisation so aufgestellt, dass bei der Bewältigung von Problemen pädagogische Unterstützung angeboten wird, allerding erst, wenn die Problemlösungskompetenz der Gruppe ausgeschöpft ist. Bei Schwierigkeiten mit der Gruppe, einer Freundin oder im Praktikumsbetrieb gilt es sich zuerst selbst mit der Situation zu befassen und eine Lösung zu finden. Im zweiten Schritt wird ein Klärungsversuch mit der betroffenen Person gestartet und im dritten Ansatz die Gruppe unterstützen und beratend hinzugezogen. Erst wenn auf diesem Wege keine Lösung, Klärung oder Einigung erzielt wird, kann Unterstützung durch die Aufnahmeorganisation eingeholt werden. Diese pädagogische Grundhaltung und Methodik, die von Fit in Europe, wie auch den Aufnahmeorganisationen verfolgt wird, soll die Eigeninitiative stärken und motivieren, eigene Strategien zum Durchhalten, dem Einfordern von Anliegen, Wünschen und Bedürfnisse zu entwickeln und anzuwenden. Dies funktioniert bei einem Großteil gut, in der Peer-Gruppe, aber auch im Betrieb, trotz eingeschränkter Sprachkenntnisse. Dieses Verfahren ermöglicht insbesondere auch im Nachbereitungstraining Erfolg als selbst erreichte zu begreifen und als eigene Leistung anzuerkennen, was der Zielgruppe aufgrund objektiv zugeschriebenen Misserfolgserfahrungen, schwer.

Organisation und Ablauf im Ausland

orga3Einmal wöchentlich wird durch die Aufnahmeorganisation ein Geldbetrag als Verpflegungspauschale ausgezahlt, den die Jugendlichen für diese Zeit selbst verwalten müssen.
Um der Gruppe einen möglichst unkomplizierten Einstig in das Leben im Ausland zu erleichtern bzw. auch den Start ins Alltagsleben zu beschleunigen, gibt es ein durch die Aufnahmeorganisation durchgeführtes Rahmenprogramm in der ersten Woche.

Orientierungswoche

orga2Neben dem dreistündigen, täglichen Sprachunterricht durch eine eigens eingestellte Sprachlehrerin, werden Exkursionen vorgenommen, um Sprache beispielsweise bei Ausflügen, beim Bestellen von Essen oder beim Einkaufen direkt anzuwenden. Dies begünstigt die Auffassungsgabe und Lernfähigkeit, denn je weniger die Lernerfahrung an Unterricht erinnert, desto höher die Lernmotivation. Die Gruppe soll befähigt werden wichtige Ort, wie Supermärkte, Post, Bank u.a. Plätze zu kennen, den Nahverkehr zu verstehen, Mobiltelefonoptionen zu nutzen und sich insgesamt zu Recht zu finden. Interkulturelle Erlebnisse und Erfahrungen in der Gruppe stehen im Mittelpunkt.

Vorstellungsgespräch beim Praktikumsbetrieb

orga4Auch werden die Praktikumsbetriebe gemeinsam mit einem Ansprechpartner der Aufnahmeorganisation besichtigt und Vorstellungsgespräche finden statt. Außerdem werden die Regeln im Hinblick auf die Arbeit am Praktikumsplatz besprochen und mit der gemeinsamen Unterzeichnung eines Vertrags, einvernehmlich angenommen. Im Krankheitsfall ist beispielsweise eine sofortige Abmeldung sowohl beim Betrieb als auch bei der Aufnahmeorganisation erforderlich. Am zweiten Krankheitstag muss ein Arzt aufgesucht werden und dem Betrieb eine Krankmeldung vorgelegt werden. Da die Betriebe ehrenamtlich für Fit in Europe agieren, muss auch im Interesse daran dieses Netzwerk zu erhalten und weiter aufzubauen, ein reibungsloser Ablauf sichergestellt werden. PraktikantInnen sollten für die Betriebe eine Bereicherung darstellen und nicht mit zusätzlicher Arbeit verbunden werden.

Treten im Praktikumsbetrieb Schwierigkeiten auf, wie, dass sich ein Teilnehmender nicht wohl fühlt, besteht die Option, dass ein alternativer Praktikumsplatz gesucht und vermittelt wird. Jedoch muss eine Mindestfrist von drei Tagen eingehalten werden, während der aktiv versucht werden muss, sich in den Betrieb hineinzufinden. Bei Abbruch eines Praktikums wird für jeden Teilnehmenden eine individuelle Lösung gefunden.

Praktikum und Alltag

orga1Das Praktikum beginnt in der zweiten Woche. Die Kommunikation findet entweder in der Landessprache, mit „Hände und Füße“, oder auf Englisch statt. Im Laufe der Zeit werden die zu erledigenden Arbeitsschritte verstanden.
Ab Woche zwei findet der Sprachunterricht nur noch einmal wöchentlich statt. Das Praktikum und die Alltagsgestaltung durch die Teilnehmenden selbst stehen ab dann im Mittelpunkt.
Im Anschluss an den Sprachunterricht gibt es eine Reflexionsrunde, die durch Betreuungspersonen der Aufnahmeorganisationen moderiert werden. Hier können Themen die Gruppe betreffend diskutiert werden, allgemeine Herausforderungen im Alltag geklärt, aber auch individuelle Anliegen angesprochen werden. Die Teilnahme am Sprachunterricht und der Reflexionsrunde sind verpflichtende Angebote von Fit in Europe. Neben diesem institutionalisierten Raum muss die Aufnahmeorganisation gewährleisten, dass Teilnehmende in Notsituationen und bei dringenden Anliegen oder Krisen jeder Zeit auf deren Unterstützungsstrukturen zugreifen können. Hierunter fallen neben Gesprächen mit Betreuungspersonen beispielsweise auch gemeinsame Arztbesuche oder Gruppeninterventionen.

Reflexion/ Evaluation

In der Mitte der Aufenthaltsdauer, wenn die Teilnehmenden sich bereits gut akklimatisiert haben, findet eine sogenannte Zwischenevaluation statt. Diese dient der ersten Reflexion der Erfahrungen und des Erlebten und zielt darauf ab, die in der Vorbereitung gesetzten Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Denn die Konfrontation mit durchweg Neuem und Unbekanntem birgt ein hohes Ablenkungspotenzial. Das „Innehalten“ und die „Reflexion“ bei der verpflichtenden Zwischenevaluation sollen dem entgegenwirken. Die Evaluation findet an einem der institutionalisierten Reflexionstage statt. Sie gibt darüber hinaus dem Betreuer im Ausland Anhaltspunkte über den Status quo der Teilnehmenden und zeigt den Unterstützungsbedarf auf. Zusätzlich wird auch bei den Betrieben regelmäßig der Status quo erfragt. So kann in Notfällen direkt interveniert und gemeinsam mit den Teilnehmenden mögliche Probleme unmittelbar angesprochen und bearbeitet werden.
Gemeinsam mit der Aufnahmeorganisation findet in der letzten Woche eine Gesamtevaluation des Aufenthaltes statt. Noch vor Ort wird sich mit den gesammelten Erfahrungen auseinandergesetzt und diese im Hinblick auf die nächsten Schritte in Deutschland reflektiert. Pläne für das Vorgehen nach der Teilnahme an Fit in Europe werden abgefragt, um den Übergang von Fit in Europe in eine Ausbildung zu forcieren. Der abrupte Wechsel von der Auslandserfahrung wieder zurück in den Alltag in Deutschland wird so abgemildert.
Die Entsendeträger in Deutschland bekommen während der vier Wochen des Auslandsaufenthalts keine Informationen durch den Teilnehmenden selbst. Die Projektleitenden berichten jedoch im Bedarfsfall über Besonderheiten. Die Rückmeldung aus den Betrieben wird den Trägern vor der Rückkehr der Teilnehmenden weitergeleitet, damit diese in die Übergangsgestaltung einfließen kann.

Praktikumszeugnis

P1010942In der letzten Woche füllen die betrieblichen Ansprechpartner ein vom Projekt vorbereitetes Praktikumszeugnis aus, in welchem neben der Bewertung von Selbstständigkeit, Eigeninitiative, Motivation, Beteiligung bzw. Fleiß, Team-, Kooperationsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Kreativität, Lernfähigkeit und Durchhaltevermögen auch Platz für individuelle Bemerkungen ist. Das Zeugnis ist zweisprachig ausgestellt. Bemerkungen werden ins Deutsche übersetzt.