Fit4Mobility – Das Vorbereitungstraining

Rahmenbedingungen und Organisation

Die BewerberInnen werden für die Teilnahme an Fit in Europe ausgewählt und zur Vorbereitungswoche in eine Jugendherberge fern ihres Wohnortes eingeladen.

Die jungen Erwachsenen teilen sich für die Zeit der Vorbereitung die Zimmer mit ihren potenziellen Mitreisenden, die sie bis dato noch nicht kennen. Für geschlechtergetrennte Schlafräume wird gesorgt. Für die täglichen Trainingseinheiten muss mindestens ein Seminarraum zu Verfügung stehen, der genügend Platz für das vielfältige Programm bietet. Mit der Gestaltung des Raumes sollte ein erster Eindruck von den Örtlichkeiten des Aufnahmelandes vermittelt werden. So können die Wände beispielsweise mit Fotos von Praktikumsplätzen, den Wohnungen und Sehenswürdigkeiten vor Ort dekoriert werden. Dies soll zum einen die Neugier der Teilnehmenden anregen, zum anderen Ängste und Sorgen vor dem Unbekannten abbauen.

Die Teilnehmenden erhalten von Fit in Europe verschiedene Materialien wie u.a. ein Wörterbuch, einen Reiseführer und eine Art Tagebuch, das zur persönlichen Gestaltung genutzt werden kann. Hier gehts zur Materialliste.

Bisher wurden Erfahrungen mit Gruppengrößen von zwei bis neun Teilnehmenden gesammelt. Eine wichtige Erkenntnis aus den bisherigen Vorbereitungstrainings ist, dass eine Größe von maximal acht Teilnehmenden gut geeignet ist, um jeden aus der Gruppe mit den Lerninhalten zu erreichen und zu verhindern, dass sich einzelne Teilnehmende aus dem Gruppenprozess ausklinken. Eine Gruppengröße ab etwa drei Teilnehmenden erlaubt es, Gruppenprozesse in Gang zu bringen, die wichtige Bestandteile des Vorbereitungskonzeptes sind. Es gilt einen sicheren, vertrauenswürdigen „Schutzraum“ für die Gruppe zu schaffen, in dem die Teilnehmenden sich öffnen können. Gleichzeitig sollte sich in der Teilnehmendenstruktur eine gewisse Heterogenität abbilden, da an bestehende Unterschiede und Unklarheiten unmittelbar angeknüpft werden kann. Das sehr intensive Training integriert bewusst das Arbeiten mit persönlichen Grenzen, Bedürfnissen, Stärken und Schwächen. Kooperative Unterstützungsstrukturen werden konstruiert und erprobt. Das kann nur dann funktionieren, wenn sich die Teilnehmenden gleichermaßen in die Arbeitsprozesse einbringen. Nur, wenn sich alle dem Prozess öffnen und ernsthaft partizipieren, können auch persönliche Themen bearbeitet werden, die für eine gute Vorbereitung auf die Zeit im Ausland wichtig sind. Die Konfrontation der Gruppe mit unmittelbar entstehenden, gegebenenfalls provozierten oder auch inszenierten Krisen und Konflikte verschiedenster Ursachen ist Teil der Vorbereitung. Dazu muss ein Betreuungsverhältnis von 1 zu 3 gewährleistet sein, das dazu beiträgt eine persönliche und individuelle Vertrauensbasis zu schaffen, die zulässt, dass jeder Teilnehmende aufgefangen werden kann.

Pädagogische Beziehung
pädagogische BeziehungDie Arbeitsbeziehung und die innere Haltung gegenüber den Teilnehmenden spielt eine enorm wichtige Rolle für den Erfolg des Trainings. Es ist unabdingbar der Gruppe vom ersten Augenblick an mit einer aufgeschlossenen, interessierten und neugierigen Haltung gegenüber zu treten. Diese konkretisiert sich zum einen darin, dass Themen, die mitgebracht werden, aufgefangen und bearbeitet werden und kein festes Programm als Korsett aufgezwungen wird. Es wird ein grober Fahrplan angeboten, der sich auch bewährt und dennoch genügen Raum bietet für spontan anfallende Anliegen. Zu Beginn muss also klar gestellt werden, dass es sich um eine Vorbereitungswoche handelt, die speziell die konkreten Anliegen, Bedürfnisse und Erwartungen der jeweiligen Gruppe bedient. Zum anderen wird allen Teilnehmenden das „Du“ angeboten, um eine erste Hürde zu nehmen und das Arbeiten auf Augenhöhe zu unterstreichen.

Die Art und Weise wie die pädagogische Beziehung gelebt wird, ist entscheidet für das Entstehen von Vertrauen. Das Vermitteln einer Grundsicherheit bzw. das Gewährleisten von Sanktionsfreiheit, das Interesse an Individualität und persönlichen Lebenslagen sowie an Bewältigungsmustern, spielen hierbei eine große Rolle. Teilnehmende werden weder bevormundet, noch werden persönliche Grenzen überschritten.

Das Training ist sehr intensiv. Sich unbekannte Menschen bewegen sich in einer ungewohnten, neuen Situation auf engem Raum über lange Zeiträume hinweg. Das allein ist für viele schon eine Herausforderung. Dazu kommt die Konfrontation mit persönlichen Themen, die oftmals unterbewusste Krisenherde aufdecken können. Jedem steht es daher offen, den Raum bzw. die Situation jeder Zeit zu verlassen, egal, welche Gründe es gibt. Diese Fluchtoption, die unserer Erfahrung nach als quasi letzter Ausweg tatsächlich auch genutzt wurde, erlaubt erst eine solch intensives, persönliches miteinander Arbeiten. Es wird betont, dass es eine Stärke ist, seine Grenzen zu erkennen und diese zu achten und die Möglichkeit geboten, im Nachhinein über Beweggründe und Gefühle zu sprechen.

Unter diesen Bedingungen öffnen sich die jungen Erwachsenen teilweise schon am zweiten oder dritten Tag vor TrainerIn und Gruppe und geben viel über sich als Person preis. Diese Projekterfahrung wirkt so nachhaltig, dass selbst Jahre später manche Teilnehmenden die Projektmitarbeitenden über teils extrem schwierige Tiefschläge, aber auch sehr erfolgreiche Lebensereignisse informieren.

Viele der Teilnehmenden haben durchweg negative Erfahrungen mit „schulähnlichen“ Situationen. Sätze wie „Wenn Schule so wie hier gewesen wäre, hätte ich jetzt sicher meinen Hauptschulabschluss“ sind ein häufiges Credo. Ziel des Vorbereitungskonzepts ist es daher explizit die „Unterrichtssituation“ aufzulösen, da diese das Aufnahmepotenzial, die Konzentrationsfähigkeit und die Lernbereitschaft der Teilnehmenden negativ beeinflusst. Die dazu genutzten, oben beschriebenen, konzeptionellen Bausteine, steigern nicht nur die Lernbereitschaft und Lernfähigkeit der Einzelnen. Der so gestaltete Lehr – und Lernraum birgt wesentliche Elemente in sich, die Irritationen und Krisen provozieren, die beispielhaft als elementare Bestandteile unmittelbar in der Trainingssituation bearbeitet werden können. Erste Potenziale für das Durchbrechen von Mustern sind hiermit gegeben, was Voraussetzung für eine erfolgreiche Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt ist.

Daher bewertet das Projektkonzept auch die Teilnahme an der Vorbereitung und eine Entscheidung gegen das Antreten des Auslandsaufenthaltes als Teilerfolg.

Inhalte
Inhalt Das Vorbereitungstraining beinhaltet einige feste Bestandteile, die als Rahmenprogramm dienen. Die Elemente Kennenlernen, Team Building, Sprachanimation, Skype-Konferenz mit dem Team der Aufnahmeorganisation, Leben und Versorgen im Ausland, Mobilitätserfahrung allgemein und praktisch, Umgang mit eigenen Bedürfnissen und Grenzen sowie Umgang mit der Gruppe und mit sich selbst sind feste Programmpunkte, die flexibel im Training angewandt werden, ohne individuelle Themen der Teilnehmenden aus dem Blick zu verlieren.

Im gesamten Vorbereitungstraining spielen die eigene Motivation, das soziale Umfeld, persönliche Zielsetzungen, die mit dem Aufenthalt angestrebt werden und die allgemeinen Erwartungen an das Auslandspraktikum sowie Sprachanimation und Krisenintervention eine maßgebliche Rolle. Individuelle Strategien bzw. Unterstützungsstrukturen in der Gruppe oder durch Familie und Freude werden erarbeitet und auch die eigenen Kräfte und Potenziale benannt und gestärkt. Neben Erwartungen sind auch Sorgen und Befürchtungen klar zu thematisieren, denn was einmal ausgesprochen und benannt ist, kann bearbeitet und bewältigt werden.

Bereits die eigenständige Anreise in eine Jugendherberge in einer entfernten Stadt stellt für einige Jugendliche die erste Hürde dar. Nicht selten kommen die Teilnehmenden aus kleinen Orten weitab von einer Großstadt. Frühes Aufstehen und das sich Zurechtfinden in fremder Umgebung mit Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs sind zu meistern. Nicht nur das Reisen über mittelgroße Distanzen, sondern auch das Verlassen des persönlichen Umfeldes ist für die bisher erreichte Zielgruppe von Fit in Europe eine Herausforderung.

Die Teilnehmenden erfahren im Vorfeld nicht, was sie in der Vorbereitungswoche erwartet. Trainingsaspekt ist daher auch, dass sich die Teilnehmenden auf eine gänzlich neue Erfahrung einlassen und sich etwas Unbekanntem ausliefern. Maßgeblich werden persönliche Erwartungen, Ziele und Wünsche in der Vorbereitungswoche behandelt. Welche thematisiert werden, hängt wiederum davon ab, inwieweit die Teilnehmenden bereit sind sich zu öffnen. So bleibt es auch für die TrainerInnen eine Überraschung, in welche Richtung sich die fünf Tage entwickeln.

Um die Gruppe fit für die Auslandserfahrung zu machen, sind Themen wie Umgang mit eigenen Grenzen und Bedürfnissen elementar. Selbsteinschätzung, Kommunikation und Entwicklung, und Ausprobieren von Handlungsstrategien sind bedeutsame Aspekte, die immer Teil des Trainings sind. Das Auseinandersetzen mit diesen Themen sowie das Entwickeln von internen und externen Unterstützungsstrukturen sind bedeutsame Vorbereitungsansprüche.

Das Thema Gewalterfahrung wie auch Vorstrafen werden teilweise durch das erste Nachfragen: „Wovor hast du Angst?“, „”Worauf freust du dich?“ angesprochen. Die Erfahrungen werden zusammen mit der ganzen Gruppe angegangen und bearbeitet – auch, um Ängste untereinander abzubauen. Es können je nach Bedarf auch Elemente aus Gewalt- und Aggressionsprävention angewandt werden.

Oft genannte Vorbehalte gegenüber dem Auslandsaufenthalt sind beispielsweise, ein monotones Praktikum ausüben zu müssen oder, dass der/die PraktikumsbetreuerIn keine Zeit für einen hat, sowie Angst in der Unterkunft alleine, unbeliebte Aufgaben übernehmen zu müssen, Streit untereinander oder Heimweh.

Auf die Frage „Was bringst du für den Auslandsaufenthalt mit“ werden häufig Fähigkeiten benannt, die zum Abbau dieser Ängste beitragen und für die Gruppe nutzbar gemacht werden können.

Das Thematisieren der eigenen Stärken ist für die Teilnehmenden meist ein ganz neues Feld, da sie häufig von Misserfolgserfahrungen geprägt sind. Auch wird ihnen in verschiedenen Zusammenhängen, wie von Ämtern, dem Schulsystem oder auch teilweise dem Elternhaus eher mit einer Defizitzuschreibung begegnet. Erfolge werden ihnen aus normativer Sicht oftmals abgesprochen. Ziel der Vorbereitungswoche muss damit auch sein, gemeinsam zu erarbeiten, welche Stärken mitgebracht werden, beziehungsweise aufzuzeigen, dass jeder bereits auch Erfolge in unterschiedlichsten Bereichen erzielt hat, auf denen aufzubauen ist. Widerholte Negativzuschreibung führt in vielen Fällen zu einer individuellen Aneignung, zur sogenannten Selbsterfüllenden Prophezeiung.

Zum Aufbrechen von verfestigten, hinderlichen Verhaltensmustern wird durchweg mit dem Einsatz von Reflexionsmethoden gearbeitet. Jegliche Ansichten, Antworten, Erwartungen, Ziele und Wünsche werden ernst genommen und gleichzeitig auf die persönliche Bedeutung hin hinterfragt, um eine Auseinandersetzung mit dem Selbst zu vertiefen und die Person in ihrer Handlungskompetenz zu stärken. Dies fördert den Umgang miteinander und das Verständnis für die Individualität und Andersartigkeit jedes Einzelnen. Daher werden auch Regeln im Umgang miteinander, aber auch Hinsichtlich des Projektablaufs, gemeinsam erarbeitet und diskutiert.

Praktische Angebote sind das Erstellen einer gemeinsamen Packliste, das gemeinsame Durchgehen der von der Aufnahmeorganisation erstellten Hausordnung, bei Bedarf das Erstellen eines Putz-, Koch- oder Badnutzungsplans und die Stadterkundung, bei der die Gruppe gemeinsam, vorher unbekannte Aufgaben erledigen muss. Für die linguistische Deplocage werden Rollenspiele und einfache Sprach- bzw. Widerholungsspiele angewandt.

Eine möglichst umfassende Aufklärung über die Lebensbedingungen am Aufenthaltsort ist von großer Bedeutung. Das Aufhängen von Fotos aus dem Aufnahmeland kann hierbei hilfreich sein. Um mögliche Risiken zu mindern, sind Alltagstipps zum Verhalten beim Ausgehen und bei Nacht sowie zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs wichtig. Ebenso sollte die Gruppe auf beispielsweise höhere Tabakwarenpreise oder ähnliches hingewiesen werden, um ihnen die Finanzplanung zu erleichtern.

Damit die Teilnehmenden einen ersten Eindruck von ihren Ansprechpartnern im Ausland erhalten, ist ein fester Bestandteil der Vorbereitungswoche die Skype-Konferenz mit der Aufnahmeorganisation. Sie dient dem gegenseitigen Kennenlernen und auch der Besprechung der ausgewählten Praktikumsplätze. Die Ansprechpartner berichten jedem Teilnehmenden, welcher Praktikumsplatz für ihn/sie gefunden wurde und erzählen etwas über den Betrieb. Diese Informationen über Mitarbeiterzahl, Ort des Betriebs und Name des Chefs helfen den jungen Praktikanten Unsicherheiten abzubauen und führen zu steigender Motivation, denn das, was im Ausland auf sie wartet, wird greifbar. Nach der Skype-Konferenz klärt sich, worum es für die Jugendlichen im Ausland gehen wird. Die Herausforderung wird real und die individuelle Bedeutung steigt und wird spürbar.

Interessierte müssen nicht Französisch oder Spanisch sprechen, um an Fit in Europe teilzunehmen. Aber ja – es hilft, die Sprache des Anderen zu sprechen, denn Sprache erleichtert die Verständigung. Die Methode der Sprachanimation, die vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) entwickelt wurde, trägt dazu bei, dass sich eine Gruppendynamik entwickelt. Darüber hinaus fördert sie non-verbale und verbale Kommunikation und hilft sprachliche Barrieren zu überwinden. Sprachvorkenntnisse spielen daher eine untergeordnete Rolle. Der Umfang der Vorbereitungstage lässt kein vertieftes Sprachenlernen zu. Anstelle dessen findet eine sprachliche Sensibilisierung statt. Das Hören der fremden Sprache, damit angesprochen werden, erste Sätze sagen und simulieren, etwas in einem Café zu bestellen, dient dazu Ängste und Kommunikationshürden abzubauen und ermöglicht einen Einstieg in die Alltagskommunikation. Mit der methodischen Sprachanimation soll auch gezeigt werden, dass Kommunikation auf vielen Wegen, nicht nur über die Sprache möglich ist und, dass wenige Wortkenntnisse reichen können, um sich im Praktikum oder auf der Straße ausreichend verständigen zu können. Wichtig ist es, den Teilnehmenden zu zeigen, dass Freundlichkeit und Offenheit, ein Lächeln und einige wenige Worte in der Landessprache genügen, um Hilfe zu erhalten oder Kontakte zu knüpfen.

Der räumliche Abstand zum gewohnten sozialen Umfeld aber auch das Bearbeiten der genannten Themen, stoßen oftmals bei den Teilnehmenden persönliche Reflexions- und Entwicklungsprozesse an. Diese werden methodisch angeleitet bzw. unterstützt und im Rahmen des Projekts aufgefangen. Denn in der Vorbereitungswoche haben die jungen Erwachsenen genug Zeit über ihre negativen Erfahrungen, zu reflektieren.

Neben den Gruppenübungen werden bei Bedarf auch Einzelgespräche durchgeführt. In manchen Fällen stoßen die Teilnehmenden erst in der Vorbereitungswoche auf gefühlte oder konkrete Hindernisse, die erst im Gespräch mit Projektmitarbeitenden bearbeitet werden könne. Die Befürchtung die Mutter würde einem am Tag der Abreise einen Strich durch die Rechnung machen, da Finanzmittel, mit denen sie rechnete ausbleiben, Ängste aufgrund von nicht beglichenen Mahnungen eine Haftstrafe antreten zu müssen und daher vom Projekt ausgeschlossen zu werden oder starke persönliche Einschränkungen, wie die übertriebene Sorgen mit der Gruppe nicht klar zu kommen und Scheiternsängste, sind Probleme, die oftmals im Zweiergespräch bearbeitet und geklärt werden könne. Die aufgebaute Vertrauensbasis lässt es zu, die meisten Befürchtungen und Hemmfaktoren auszuräumen.

Ziele von Fit4Mobility
Ziele Maßgebliches Ziel des Vorbereitungstrainings ist die Befähigung jedes Einzelnen das Auslandspraktikum antreten zu können. Das meint nicht nur alle hemmenden und einschränkenden Faktoren geklärt zu haben, sondern auch den Teilnehmenden in seinem Selbstbewusstsein insoweit zu stärken, dass er in der Lage ist sich auf die Herausforderung einzulassen und seine Zeit im Ausland selbstständig und mit der Gruppe zu gestalten. Hierzu ist eine gewisse offene Haltung gegenüber fremden und neuen Situationen Grundlage, die im Training vermittelt wird. Persönlichkeitsstärkung und Förderung von Selbstständigkeit sowie Stärkung des Verantwortungsbewusstseins findet mittels gezieltem Methodeneinsatz in allen Elementen des Trainings eine Rolle.

Die Entstehung eines Wir-Gefühls und das Bilden einer Unterstützungsstruktur innerhalb der Gruppe werden forciert. Es gilt in der Vorbereitung Hilfestrukturen für jeden zu identifizieren und konkret durchzuspielen. Das Vorgehen bei Krisen und Konflikten muss besprochen sein und Pläne an die Hand geben werden. So sollte jedem klar sein, dass in Konfliktsituationen jeder zuerst in der Verantwortung ist selbst eine Lösung zu finden. Im zweiten Schritt kann eine Vertrauensperson aus der Gruppe einbezogen und um Rat gefragt werden. Erst in letzter Instanz sollen Projektmitarbeitende oder die Aufnahmeorganisation zur Klärung hinzugezogen werden. Dieses Vorgehen ist wichtig, um die Selbstwirksamkeit jedes einzelnen anzuregen. Viele Probleme lassen sich lediglich durch die Beteiligten klären. Schaffen dies die Teilnehmenden aus eigener Kraft, kann hieraus viel für die Steigerung des Selbstbewusstsein gezogen werden, was Ziel des Projekts ist.

Die Motivation der Teilnehmenden sollte, durch die Verdeutlichung der Einmaligkeit dieser Chance an einer Auslandserfahrung teilnehmen zu dürfen gestärkt werden. Ein bis zwei Sätze Arbeitssprache, die im Betrieb angewandt werden kann, sollten auswendig sitzen. Zumindest aber sollten die Begrüßungsformeln und ein paar Fragen für das Kennenlernen und den Einkauf präsent sein.

Die Vorbereitungswoche führt nachweislich dazu, Sorgen und Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Auslandsaufenthalt sowie Sprachhürden zu verringern.

Das Training grenzt sich bewusst vom Maßnahmenalltag ab und betont massiv die Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden, die die Themen eigeninitiativ einbringen und priorisieren müssen. Dies steigert die Motivation, sich mit diesen auseinanderzusetzen und sich in den Gruppenprozess einzubringen sowie sich gegenüber TrainerInnen und der Gruppe zu öffnen. Dieses sich Einbringen und Öffnen wird von den Gruppenmitgliedern gegenseitig stark honoriert und vertraulich anerkannt.

Die Vorbereitung wird abgeschlossen mit einer sogenannten Zielvereinbarung. Darin soll sich jeder Teilnehmende für sich überlegen, was er in den nächsten vier Wochen im Ausland erreichen möchte. Diese Ziele werden in den Nachbereitungstagen reflektiert.

Die Betriebe, die die Praktikanten im Ausland aufnehmen, beteiligen sich ehrenamtlich an Fit in Europe. Ihr Ansporn ist allein die Neugier und das Interesse an positiven Erfahrungen und dem Austausch mit jungen Menschen aus Europa. Die Bereitschaft und Offenheit gegenüber der Aufnahme von Praktikanten ist demnach stark an die jeweiligen Erfahrungen mit diesen gekoppelt. Das muss den Teilnehmenden in der Vorbereitung bewusst gemacht werden und Regeln für einen angemessenen Umgang im Betrieb an die Hand gegeben werden.

Die Teilnahme lediglich an dem Vorbereitungstraining wirken nachhaltig. So werden bereits nach Rückkehr aus der Vorbereitungswoche positive Verhaltensänderungen bei den Entsendeträgern festgestellt.

Umgang mit Abbrüchen und Absagen
Eine Teilnahme an der Vorbereitungswoche bedeutet nicht automatisch die Teilnahme am Auslandsaufenthalt. Zum einen sind die Jugendlichen freigestellt sich, auf Basis der gewonnen Erfahrungen und Eindrücke, am Ende der Vorbereitungswoche neu zu entscheiden. Zum anderen stehen Fit in Europe bei den Aufnahmeorganisationen grundsätzlich nur fünf Plätze zur Verfügung, die in Ausnahmefällen auf sechs oder manchmal sieben Plätze aufgestockt werden können. Zur Vorbereitungswoche sind aber bis zu acht Personen eingeladen. Die Entscheidung, wer mitreisen darf und wer nicht wird am letzten Tag der Vorbereitungswoche gefällt. Es hat sich bewährt, die Entscheidung mit der ganzen Gruppe, offen und transparent, zu besprechen. Das Bewusstsein, um eine mögliche Nicht-Teilnahme prägt das Verhalten der Jugendlichen und die Situation des Trainings an sich. Es wird daher großen Wert darauf gelegt, dass die Auswahl so getroffen wird, dass diese für alle, nachvollziehbar ist und akzeptiert werden kann. Jeder, der nicht unmittelbar am Anschlusstermin teilnimmt, erhält die Chance das Auslandspraktikum zu einem späteren Zeitpunkt anzutreten. Meist scheitert es an kleineren oder größeren, persönlichen „Baustellen“ der Kandidaten, die erst behoben bzw. angegangen werden müssen, was den Betroffenen selbst klar ist.

Bereits die Teilnahme an der Vorbereitung ist ein Erfolg und wird mit Teilnahmebescheinigung bestätigt.

Bisher ließ sich bei allen Teilnehmenden eine sichtbar gesteigerte Offenheit und Kommunikationsfähigkeit bereits nach der fünftägigen Vorbereitung feststellen. Dies fiel nicht nur den unmittelbaren Betreuungspersonen der Maßnahmen auf, sondern beispielweise auch Mitarbeitenden des Jobcenters. Das Besondere dieses prozessorientierten, gruppendynamischen Trainings ist, dass kein Training dem anderen gleicht, was eine Herausforderung für die TrainerInnen darstellt, jedoch auch genug offenen Raum ermöglicht, um umfassend und produktiv mit den Teilnehmenden arbeiten zu können.

Es gab Anläufe, bei denen ehemalige Teilnehmende den „Neuen Anwärtern“ von Ihren Erfahrungen erzählt haben. Diese Praxis wurde jedoch verworfen, da dies die individuellen Ansprüche, Erwartungen und Zielsetzungen der Teilnehmenden beeinflussen könnte. Es hat sich bewährt allein mit der Gruppe zu arbeiten und sich auf deren Themen zu konzentrieren. Bisher konnten Ängste und Vorbehalte auch ohne die Vorerfahrungsbeiträger von Ehemaligen abgebaut werden.